16 / 08 / 2017

Herausforderung "Schüler gehen auf Alpentour"

In fünf Tagen 250 Kilometer mit dem Mountainbike über die Alpen: Für einen geübten Fahrer ist das ein Leichtes, für zehn Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Edigheim eine Herausforderung. Sie bereiten sich seit Anfang des Jahres - teils im Unterricht, teils in ihrer Freizeit - auf die große Tour vor, die am 25. August starten soll.

Von Nina Heiser (Redakteurin Rheinpfalz)

Ein Stapel Paletten liegt in der Mitte des Schulhofs. Ein Brett ebnet den Weg darauf. Aaron streift sich noch schnell seine Fahrradhandschuhe über, prüft, ob der Helm richtig sitzt. Dann fährt er mit dem Mountainbike fast bis auf den Schulparkplatz hinaus. Der Anlauf muss stimmen. Kräftig tritt er in die Pedale, das Rad schießt die Rampe hoch - ein, zwei Sekunden fliegt der Zwölfjährige durch die Luft, ehe die beiden Räder des Mountainbikes wieder sicher auf dem Boden landen.Von Februar bis Mitte Juli haben zehn Siebtklässler jeden Dienstag zwei Schulstunden Fahrtraining auf dem Schulhof gehabt. Das war Teil ihrer Vorbereitung auf das Projekt "Mit dem Mountainbike über alle Berge" und zugleich auch Teil einer sogenannten Herausforderung an der IGS Edigheim: Alle Schüler der Klassenstufe können ihr Wunschprojekt aus verschiedenen Angeboten auswählen. Leben auf dem Bauernhof steht beispielsweise auf dem Programm oder ein Tanzprojekt. Der Gedanke dahinter: Die Schüler sollen lernen, ein Vorhaben von vorn bis hinten zu planen und durchzuführen - von der Frage, wie viel Geld die Aktion kostet, bis hin zur Buchung von Transportmitteln und Unterkünften."25 Schüler haben sich für die Mountainbike-Tour angemeldet", erzählt Lehrer Matthias Gulde, der die Siebtklässler leitet. Zehn von ihnen wurden zugelassen. Das Projekt eignet sich nicht für jeden: In fünf Tagen geht es auf schmalen Pfaden über Stock und Stein, 6000 Höhenmeter müssen überwunden werden. Klar, dass es da auch Bedenken seitens der Eltern gibt. Doch die meisten sind laut Gulde eher motiviert, ihren Nachwuchs bestmöglich auf die Tour vorzubereiten. Sie haben zum Beispiel mit den Kindern Waffeln verkauft, um zur Finanzierung beizutragen, und am Wochenende sowie in den Sommerferien zusätzlich mit den Kids im Wald trainiert.Der zwölfjährige Aaron erzählt, seine Eltern seien ganz froh über das Projekt. "Ich habe zu viel Energie in mir. Die freut es, wenn ich nach dem Training erschöpft nach Hause komme", berichtet er lachend, ehe er sich erneut auf sein Rad schwingt. Leandro (13) hatte sich dagegen eigentlich für zwei andere Projekte beworben, für die er allerdings nicht genommen wurde. So ist er bei den Mountainbikern gelandet. "Jetzt macht es mir aber Spaß", erzählt er. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich runterfalle. Aber das darf man nicht denken, denn dann fällt man wirklich."Die Alpenüberquerung wird dieses Jahr zum dritten Mal angeboten. Zwei Schulstunden in der Woche haben die Kinder vormittags zur Verfügung gehabt, um die Tour zu planen: Welche Strecke sollen wir fahren? Wo übernachten wir? Und wie bekommen wir genug Geld zusammen? Denn das Projekt kostet pro Teilnehmer rund 600 Euro. Die Eltern zahlen davon 160 Euro. Den Rest müssen die Kinder selbst zusammenbekommen: mithilfe von Sponsoren, Kuchenverkäufen und Ähnlichem. 6000 Euro sollten es werden, 5500 sind tatsächlich zusammengekommen, sodass die Tour wie geplant vonstattengehen kann - mit einigen kleinen Abstrichen.Neben den zwei Stunden Training auf dem Schulhof, haben die Zwölf- bis 13-Jährigen viel Freizeit für das Projekt geopfert - unter der Woche wurde gejoggt, an Wochenenden und in den Ferien mit dem Rad trainiert. "Sie müssen viel Zeit und Kraft in das Projekt stecken, sonst funktioniert es nicht", betont Gulde. Bei der Vorstellung sei den Siebtklässlern klargemacht worden, was für ein Brocken auf sie zukommt. Der erfahrene Radsportler weiß: Für eine Alpenüberquerung sollte die Trainingsstrecke mindestens 1000 Kilometer betragen. Nicht alle Schüler haben das geschafft, doch der Zusammenhalt in der Gruppe ist groß und Gulde überzeugt davon, dass seine Schützlinge die Tour meistern werden."Ich glaube, dass ich das schaffen werde. Ich fühle mich sehr fit", gibt sich auch der zwölfjährige Jens zuversichtlich. Er ist schon vor dem Projekt Mountainbike gefahren und fährt ein- bis zweimal pro Woche in den Wald, um zu trainieren. "Das Bergabfahren ist toll, weil man da springen kann", erzählt er begeistert. Die Schüler müssen ihre Mountainbikes selbst in Schuss halten. Sie werden zwar von der Schule gestellt, die Beschaffung von Ersatzteilen muss allerdings mit in der Finanzierung berücksichtigt werden. Pedale montieren, Bremsen auswechseln, Reifen flicken - all das müssen die Kids selbst hinkriegen. Gulde kontrolliert später, ob alles richtig sitzt. Er kennt sich mit Rädern gut aus, hat er doch selbst in der siebten Klasse angefangen, in Fahrradläden zu jobben. Am Ende des Schuljahrs haben die zehn Teilnehmer des Projekts eine 60 Kilometer lange Qualifikationstour absolvieren müssen, um zu zeigen, dass sie fit für die Tour sind. Neun von zehn haben den Test bestanden und sind Ende August mit an Bord - wenn sie nicht noch aufgeben. Das ist theoretisch bis zum Tourstart möglich. Noten gibt es nämlich keine. "Aber es wird schriftlich im Zeugnis vermerkt", berichtet der Lehrer.

Quelle

Ausgabe       Die Rheinpfalz Marktplatz Regional Ludwigshafen City Nord - Nr. 33
DatumMittwoch, den 16. August 2017
Seite702